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Radionik-Tagung 2005 Es gab gute und interessante Vorträge und es ist oft bemerkenswert zu hören, was einzelnen Personen als (Verkaufs)-Argumente für die eigene Methode einfällt. Ein Problem dabei ist die Wortwahl, denn es gibt immer weniger freie Worte (ohne mehrere Bedeutungen) und so wird eben auf bereits Etabliertes zurückgegriffen. Dass dabei allerdings so mancher Terminus zweckentfremdet verwendet wird, scheint die Wenigsten zu stören. Doch dies ist nicht unbedingt ein spezifisches Problem der Radionik, sondern ein generelles der Alternativ-Medizin. Kein Wunder also, dass diese Vorgehensweisen immer wieder kritisiert und die gesamte Szene dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird. Als Beispiel dafür sei der Beitrag von Prof. Dr. Roland Glaser im neuen Skeptiker: “Elektrische und magnetische Felder in Diagnostik und Therapie - Ein Gebiet zwischen Scharlatanerie und wissenschaftlichem Fortschritt” angeführt. Immerhin bemerkt der Professor, so en passant, dass die Bioresonanz-Therapie keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern auf Albert Abrams zurück geht. (http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2004/4/magnetische_felder.html) Doch zurück zum Thema Wortfindung und Namensgebung, die ja oft mit großen Schwierigkeiten einhergeht, sucht man Begriffe zur Abgrenzung des eigenen Systems. Werden dabei gewisse Regeln, wozu auch die der Gematrie gehören, nicht beachtet, sind Überraschungen unvermeidbar. Am Beispiel des CoRe-Inergetix, ein von Kiran Schmidt begründetes “neues” Radionik System, wird dies besonders deutlich. CoRe ist ein Akronym und steht angeblich fuer COincidence REcognition, soll also auf eine Art Zufallserkennung hinweisen. Mit anderen Worten: Der Zufall ist berechenbar, das Armageddon der Spielbanken in Sicht! Die Bezeichnung CORE (engl. core “Kern”) ist jedoch ein seit langem feststehender Begriff nicht nur in der Kernphysik, sondern auch für den von Michael Harner begründeten CORE-Schamanismus (http://www.shamanism.org/), ebenso gibt es seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Core Energetic Therapy (http://www.core-energetics.ch/core/core.html) und last but not least ist der Begriff der Energetik in X-Variationen bereits vorhanden. Vermutlich zur Differenzierung entschloss man sich kurzerhand dem Namen CoRe noch den Begriff “Inergetix” anzuhängen. Doch dieser Begriff birgt ein weiteres Problem in sich, beinhaltet er doch auch das aus dem Lateinischen stammende Wort “iners”, was so gut wie träge, untätig heißt. Schreibt man nun den Begriff “Inergetix” Wesenscharakter zu (für Radioniker kein Problem), so gibt es in der Welt der Magie neben dem Druiden Miraculix jetzt auch noch den Radioniker Inergetix, ob der wohl die Büchse der Pandora öffnen wird? (Übrigens, wer sich für Wörter mit der Endung ix interessiert, dem sei die website http://www.comedix.de/lexikon/ empfohlen). Die CoRe-Radionik wirbt u.a. mit der Reproduzierbarkeit, die auf Grund mathematischer Analyse anscheinend alle anderen bekannten radionischen Systeme bei weitem übersteigt. Kiran Schmidt zitiert in diesem Zusammenhang Stephen Wolfram, der u.a. das Buch "A New Kind of Science" verfasst hat (http://www.stephenwolfram.com/). So weit so gut, die Frage ist nur, warum man für ein auf geistigen Funktionsprinzipien basierenden Systems überhaupt eine reproduzierbare Methode mit materiellen Termini braucht? Ein reproduzierter Zufall ist doch kein Zufall mehr, oder hat jemand schon mal eine zweite Chance gehabt, seinen ersten Eindruck zu hinterlassen und sei es nur bei einem (zufälligen) Gespräch in Hohenroda? Nicht von ungefähr schreibt C.G. Jung in seinem umfangreichen Vorwort zum I GING* “Der Meister sagt es einmal” (erweiterte Textpassage am Schluss). An dieser Stelle soll jedoch nicht über Zufall oder ob der Mensch einer Art metaphysischem Determinismus unterliegt (Einstein, Gott würfelt nicht) philosopiert werden, denn wer sich damit befassen möchte, der findet genug Informationen, u.a. auch in dem Artikel” Prinzip Zufall, die Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen” (Der Spiegel Nr.33/9.8.04) oder in dem Buch von Marcus Chown “Warum Gott doch würfelt” (erscheint Mitte des Jahres). Doch abgesehen davon, ist die Radionik ja eine anwenderbedingte Methode und es ist im Grunde genommen gleichgültig welches Ergebnis (Rate etc.) ausgewiesen wird, solange der Anwender selbst sich mit dem von ihm praktizierten System voll und ganz identifiziert. Mit anderen Worten: Die eigene Wirklichkeitskonstruktion ist schlussendlich die ausschlaggebende Komponente. Dies bestätigt auch der amerikanische Psychologe Allan Cooperstein. Er führte zahlreiche Untersuchungen bei Heilern durch und kam zu dem Ergebnis, dass es nicht die Krückstöcke sind, die sie benutzen, sondern dass das Wichtigste ihr Glaube an die angewandte Methode ist. Cooperstein, M. A. (1992). The myths of healing: A summary of research into transpersonal healing experience. Journal of the American Society for Psychical Research, 86, 99-133 (http://members.tripod.com/allanpsych/healingmyths.htm). Zur Abrundung der Thematik hier noch eine kleine Textpassage aus: Einer, keiner, hunderttausend,1925, von Luigi Pirandello (italienscher Schriftsteller und Nobelpreisträger): "Ach, Sie glauben, Konstruktion hätte nur mit Gebäuden zu tun? Ich konstruiere mich andauernd, und ich konstruiere Sie, und Sie tun dasselbe. Und die Konstruktion hält so lange, bis das Material unserer Gefühle zerbröckelt und der Zement unseres Willens zerfällt. [...] Es genügt, dass der Wille ein wenig schwankt und sich die Gefühle in einem Punkt wandeln, ja auch nur geringfügig verändern, und dahin ist unsere Wirklichkeit!" (http://www.pirandello-zentrum.uni-muenchen.de/ Neben neuen und alten Radionik-Systemen war in Hohenroda auch das Oberon zu sehen. Dies ist ein Test- und Regulationssystem, das in Russland (angeblich von den Militärgs in Omsk) entwickelt wurde und bei uns als “Gesundheitstestgerät” verkauft wird. Preis zwischen ca. 15.000,– und 26.000 EUR plus MwSt.. Laut Auskunft der Vertretung (www.oberon-deutschland.com) soll es sich jedoch nicht um ein reines Radionikgerät handeln. Will man Insidern Glauben schenken, so existieren bereits mehrere Nachahmungen. Wie dem auch sei, die Begründer des Oberon-Systems scheinen den Spruch “Nach alter Kennerweise, steigt die Achtung mit dem Preise” besonders zu beherzigen! Wohlwissend, dass auch der Preis einen Wirkungsfaktor beinhaltet. Eine ähnliche Situation kann man bei den Herstellern von Bioresonanz-Geräten beobachten. Nicht die billigen, sondern die teuren Anbieter machen nach wie vor das Geschäft! Für nächstes Jahr ist anscheinend (noch) keine Radionik-Tagung vorgesehen, verständlicherweise, denn die erste lief unter dem Leitthema “An den Grenzen der Radionik” und die diesjährige stand unter dem Motto “Im Zentrum der Radionik”. Damit wäre das Thema wohl erschöpfend abgehandelt, oder sind für einen Radioniker “Zufall, Schicksal und Magie” keine realen Größen und kann das geschriebene Wort vom Leben getrennt werden? Hermann Grösser
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